Keine Angst vor der U-434

Hat die russische Marine unbemerkt Hamburger Gewässer erobert? Das könnte zumindest denken wer das schwarz, schlank und bedrohlich im Hamburger Baakenhafen lauernde U-Boot mit dem Bären der russischen Nordmeerflotte zum ersten Mal sieht.

Natürlich ist die Furcht vor einer heimlichen Invasion unbegründet. Nachdem das mit 90,16 m Länge und 84 Mann Besatzung große U-Boot von der russischen Nordmeerflotte 2002 ausgemustert worden war, wurde es durch das U-Bootmuseum Hamburg aus seinen Heimathafen bei Murmansk nach Hamburg gebracht. Blohm + Voss hat es anschließend in mehr als 6000 Arbeitsstunden zum Museumsboot umgerüstet.

Blick hinter die Kulissen
Jahrzehntelang war über die geheimen Spionage-U-Boote so gut wie nichts bekannt. Jetzt haben Besucher die Gelegenheit einen spannenden Blick hinter die Kulissen des Kalten Krieges zu werfen. Das dieselgetriebene, 16 Knoten ( 29,5 Kilometer pro Stunde ) schnelle Jagd-U-Boot wurde im Jahr 1976 im Rahmen des sowjetischen Geheimprojektes 641b gebaut. Neben Patrouillen übernahm es auch Spionagefahrten. Eine spezielle Beschichtung hat es dem westlichen Geheimdienst schwer gemacht, das U-434 zu orten. Weil viele Archive geschlossen bleiben, sind bis heute kaum Einzelheiten über die Einsätze von U-434 bekannt.

Bildgalerie: Hier gibt es Fotos vom U-Boot

Durch Gänge hangeln die Besucher sich an Kojen und Gefechtseinrichtungen vorbei und bestaunen die kyrillischen Aufschriften auf Tausenden von Schaltern, Hebeln und Kabelsträngen. Wer mag, kann einige Minuten auf den harten Bänken in der nur gerade anderthalb Meter breiten und 3,5 Meter langen Offiziersmesse verweilen, die auch als Operationsraum für Verwundete diente. In der Kombüse steht noch ein riesiger Kessel mit der Aufschrift "Tschai", also Tee, und beim Blick in die Kammer des stets mitfahrenden Geheimdienstoffiziers mag man sich vorstellen, wie hier 400 Meter tief unter dem Packeis geheime Nachrichten chiffriert wurden. 

Obwohl Einrichtung und Bordtechnik aus heutiger Sicht antiquiert wirken, ist die Leistung der russischen Konstrukteure nicht zu unterschätzen, viele Apparate funktionieren bis heute. Zusätzliches Personal übernimmt Führungen, erklärt die Technik, sowie das Leben auf dem U-Boot und führt sicher auf die Kommandobrücke. Der Torpedoraum im Bug des U-Bootes ist eine Attraktion.

Mit Ölgeruch in der Nase, dramatischer Musik in den Ohren und den sechs Torpedoabschussvorrichtungen vor Augen ist es nicht schwer, sich die Unterwasserjagd zu Zeiten des Kalten Krieges vorzustellen. Zum Glück wurden die Waffensysteme in Russland demilitarisiert, so dass kein Besucher durch den Druck auf einen Knopf ein Torpedo auslösen kann und Hamburg tatsächlich von einem russischen U-Boot angegriffen wird.

Öffnungszeiten
U-434 ist ganzjährig zu besichtigen. Montag bis Donnerstag von 10.00 Uhr bis 18.00 Uhr. Freitag bis Sonntag von 9.00 Uhr bis 19.00 Uhr. Weitere Informationen erhalten Sie unter dem weiterführenden Link. 

(U-434) NKL

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